Blumenerde – Qualität beginnt beim Kauf

Welche Blumenerde ist die Beste? Diese Frage stellen sich nicht nur Gartenneulinge, sondern auch die Verbraucher- und Gartenmagazine jedes Jahr aufs Neue. Und das zu Recht, denn bei Preisunterschieden von bis zu 10,- Euro muss es doch irgendwelche gravierenden Unterschiede gegen die einen Einfluss auf das gärtnerische Gelingen habe. Doch welche Faktoren können das sein? Und sind diese wirklich so ausschlaggebend wie immer behauptet wird?

Wichtig zu wissen: Gekaufte Erde in Säcken ist gar keine Erde!

Es ist schon eine ziemliche Augenwischerei die die Hersteller und der Handel mit uns treiben wenn sie ihre Produkte als Erden anpreisen. Denn genau genommen sind es keine Erden im Sinne von Boden, sondern nur Ersatzprodukte, auch Substrate genannt. Solch ein Substrat kann dabei aus vielen verschiedenen Zutaten bestehen, wobei nicht alle natürlichen Ursprungs sein müssen. Wichtig ist nur, dass sowohl Wasser, Nährstoffe und auch Luft in einem für die Pflanze notwendigen Verhältnis gespeichert werden können und das der Pflanzenwurzel der notwendige Halt für einen stabilen Wuchs gegeben wird. Wie dies dann im konkreten Fall aussieht, darf jeder Hersteller für sich entscheiden und steht somit ganz individuell für die Qualität seines Produktes ein. Das solch ein, unter Umständen sehr künstliches Produkt nicht unbedingt schlecht sein muss sondern auch großen Vorteile haben kann, beweisen uns seit Jahrzehnten die Lebensmittelerzeuger. Hier werden so gut wie alle wärme liebenden Gemüsesorten in Großgewächshäusern gezogen in denen teils sehr technisch ausgereifte, und auf die individuellen Bedürfnisse angepassten Substratmischungen erfolgreich eingesetzt werden. Mit der eigentlichen Erde oder genauer ausgedrückt dem Boden haben diese allerdings nichts mehr zu tun.

Es ist sicherlich für den Laien eine etwas befremdliche Vorstellung und doch eine botanische Tatsache: Pflanzen brauchen nicht notwendigerweise Boden um zu wachsen.

Entgegen jeglicher Verkaufspraxis, aber Vielfalt ist nicht alles!

Wenn also ein Substrat nur eine Zusammenstellung einzelner Materialien ist, dann müsste es doch wichtig sein, für die jeweiligen Pflanzen die richtige Mischung zu finden? Das sehen zumindest die Hersteller und der Handel so, und daher greifen diese mittlerweile beim Thema Vielfältigkeit ganz konkret in die Vollen. Von der einfachen Blumenerde über die Pflanzerde, Graberde, Rasenerde, bis hin zur Buchsbaum-, Gemüse-, Tomaten- und Geranienerde steht für bald jede Pflanzengattung ein passender Sack Substrat zur Auswahl. Langjährige Gärtner schütteln über solche Auswucherungen nicht ganz zu unrecht den Kopf, gab es früher doch höchstens Blumenerde und Torf zur Auswahl.

Zugegeben, im professionellen Pflanzenbau wird sehr viel Wert darauf gelegt das richtige Substrat für das jeweilige Anbauprodukt zu verwenden. Doch ist der Hintergrund ein ganz anderer wie beim Hobbygärtner. Im kommerziellen Anbau müssen alle Pflanzen in gleichbleibend hoher Qualität angebaut werden, die Massenproduktion duldet keine individuelle Pflege einzelner Pflanzen. In den Gewächshäusern herrscht absoluter Automatismus und Monotonismus: gleiches Klima, gleiche Menge und Art an Licht, gleiche Düngung, gleiche Wassermengen, etc. Pflanzen die von der gewünschten Norm abweichen werden unter diesen Produktionsbedingungen rigoros aussortiert und vernichtet, denn sie bringen keinen Profit. Beim Hobbygärtner sieht das natürlich ganz anders aus. Hier benötigt man zumeist eine „Erde“ für viele verschiedene Pflanzen.

Es wäre an dieser Stelle sicherlich nicht ganz korrekt jedem „Spezialsubstrat“ die Akzeptanz abzusprechen. Gewisse Produkte machen mitunter schon Sinn. So kann man eine Blumenerde sicherlich auch zur Pflanzung von Gehölzen verwenden, eine Humushaltige Pflanzerde wäre in diesem Fall allerdings die bessere Wahl. Und bei Lebensmittelpflanzen wie zum Beispiel der Tomate macht es auch eher Sinn auf eine reine Gemüseerde oder eine Bioerden zurückzugreifen, schließlich sollte sichergestellt sein das die Inhaltsstoffe des Substrats keinen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Und bei Balkonpflanzen ist es auch nicht verkehrt eine entsprechende Kübelpflanzenerde zu wählen um einen möglichst konstanten Wasser-Lufthaushalt in den Kästen zu gewährleisten – ein Faktor der meist neben der ausreichenden Düngung den größten Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg der Balkonkultur hat.

Sicherlich, wer überhaupt keine Ahnung von Pflanzen hat, der hat mit Spezialerden ein Idiotensicheres Pflanzsubstrat, bezahlt dabei aber unterm Strich nicht nur mehr Geld, sondern macht das Thema Pflanzen auch nur noch komplizierter. Natürlich, wem die Vielfalt entgegen kommt, der kann Spezialsubstrate natürlich verwenden – negative Folgen sind mit Sicherheit nicht zu befürchten. Allen anderen sei angeraten sich mit den Bedürfnissen der gewählten Pflanzen auseinander zu setzen und auch mal beim Händler nachzufragen was denn der jeweilige Vorteil der Produkte sein soll. Nicht selten wird man dann mit Standardantworten konfrontiert die zeigen, dass auch der Händler kein vernünftiges Argument für so manches Produkt weiß. Es gibt eben wichtigere Faktoren die beim Einkauf von Substraten beachtet werden sollten.

Der Masse sei dank: Der Preis ist kein Erfolgsgarant

Sie sind der Umsatzrenner in jedem Bau- und Gartenmarkt: billige Erden, zumeist werbewirksam als Eigenmarken angeboten. Zu Preisen von -,99 Cent bis 1,99 Euro unterbieten diese ihre Konkurrenten um das Mehrfache und wandern so in der Saison Palettenweise durch die Kassen der Händler. Blöd wer da noch Marke kauft! Doch stimmt das so pauschal gesagt?

Wenn man die Sache objektiv beantworten möchte muss man die Frage ganz klar mit „Jain“ beantworten, auch wenn viele Markenüberzeugte jetzt auf die Barrikaden steigen möchten. Aber viele unabhängige Test von Verbrauchermagazinen zeigen es immer wieder: nicht alles was billig ist, ist schlecht. Doch ohne eine weitere Erklärung darf man diese anscheinend klaren Testergebnisse auch nicht stehen lassen!



Wie bei vielen Dingen des Konsumlebens, so werden auch die billigen Eigenmarkenprodukte von großen, zum Teil als Markenartikelhersteller agierenden Unternehmen gefertigt. Viele der Produktionsprozesse der teuren Marken werden dabei häufig auch für die Herstellung der Billigwaren verwendet. Die Abnahmemenge der Unternehmen spielt daher eine extrem übergeordnete Rolle will man gute Produkte zu Niedrigstpreisen auf den Markt bringen. Allerdings ist das für den Verbraucher nicht nachweisbar. Weder die Anbieter dieser Billigerden noch die Verpackung dieser Waren geben einem die Chance genauere Informationen über die verwendeten Inhaltsstoffe oder deren Qualität in Erfahrung zu bringen. Und das nicht ohne Grund, denn vielfach ist die Schwankungsbreite der Substartqulität (nicht selten innerhalb einer Charge) extrem. Und aufgrund des niedrigen Preises werden diese Produkte auch keinen externen Prüfverfahren unterzogen und bleiben daher eine Erklärung über ihre Qualität schuldig. Letztendlich ist der Schnäppchendrang der Verbraucher zum großen Teil mit daran Schuld, dass solche Produkte ohne große Hintergrundinformation zum Verkaufsschlager werden.

Die Prozesse bei der Herstellung sind also weitestgehend gleich mit denen teurer Substrate, allerdings variieren die verwendeten Ausgangsstoffe je nachdem was für Materialien den Herstellern gerade zur Verfügung stehen. Bei der Verwendbarkeit von Substraten kommt es aber nicht nur auf die Fertigungsprozesse als solches an, sondern eben auch ganz entscheidend woraus dieses Substrat gewonnen wird. Und hier unterscheiden sich teurere Markenerden ganz wesentlich von den billigen Erden.

Wie bereits zu Beginn geschrieben, es gibt zum Teil wirklich gute Billigprodukte auf dem Markt. Doch sollte man nie vergessen, dass Test von Verbrauchermagazinen immer nur Stichprobenartig und zu bestimmten Zeitpunkten durchgeführt werden. Dies gibt noch lange keinen Aussagekräftigen Beweis dafür, dass die Qualität auch auf längere Zeit sichergestellt ist. Entsprechend kritisch sollten Sie beim Einkauf sein.

Tipp: Achten Sie darauf wo sie ihre Pflanzsubstrate kaufen!

Wie vertrauenswürdig ist für Sie ein Lebensmittelhändler, wenn sich in seinen Regalen immer wieder alte, kaputte und abgelaufene Ware finden lässt? Solch ein Händler ist sicherlich kein Garant für Qualität. Und genau so sieht es beim Thema Substrat aus. Pflanzerden verfügen in der Regel über kein MHD (Mindest-Haltbarbeits-Datum), das brauchen sie auch nicht wenn sie ordentlich gelagert werden.

Man darf nie vergessen, dass auch eine einfache Blumenerde eine Mischung organischer, und somit verrotbarer Substanzen ist. Zudem wird dieses Produkt in Kunststoffsäcken transportiert, gelagert und verkauft was dazu beiträgt, dass sie unter Umständen wochenlang zusammengedrückt und ohne Luftaustausch überstehen muss ohne zu schimmeln, zu faulen oder seine Düngequalität zu verlieren. Doch was passiert wenn diese Erde nun in der prallen Sonne gelagert wird, wenn Regen diese durchnässt oder sogar Fröste an ihr nagt? Genau, sie geht ganz simpel gesagt kaputt.

Haben Sie schon einmal einen Sack Blumenerde gekauft und mussten zu Hause feststellen, dass dieser von innen verschimmelt war? Ein klarer Fall von Fehllagerung. Genauso wie mit Fliegenlarven kontaminierte Erde – sorgt jedes Jahr für viel Ärger. Und das ist nur dass was Sie an der Oberfläche feststellen. Ob diese Substrate noch das bieten was sie versprechen, kann getrost in Frage gestellt werden. Auch wenn es ihre Pflanzen nicht augenscheinlich Schädigt, belasten wird es sie mit Sicherheit. Und wenn man es genau nimmt haben sie auch nicht das bekommen was ihnen angeboten wurde, nämlich eine qualitativ hochwertige Substratmischung.

Ein alter gärtnerischer Grundsatz lautet: Kaufe nie eine Erde (Substrat) wenn diese unter freiem Himmel gelagert wird! Substrate gehören zumindest unter ein Regen sicheres und gut beschattendes Dach, optimaler wäre es wenn diese nur in einem Gebäude gelagert und verkauft würden. Auf jeden Fall sollte die Erde trocken, die Verpackung nicht ausgeblichen und ohne Risse und Löcher sein.

Sie kennen keinen Händler bei dem dies der Fall ist? Dann versuchen Sie mal ihr Glück beim Gartenfachhandel und nicht im Baumarkt. Zugegeben, der Anspruch auf gute Ware hat seinen Preis, ist aber dafür ein ganz klarer Garant für ordentliche und qualitativ einwandfreie Ware. Außerdem erkenne Sie so ganz sicher welcher Händler kompetent in seinem Fach ist und welcher nicht!

Und hier noch ein Tipp für alle gesellschaftlichen Mitdenker:

Lassen Sie die Finger von torfhaltigen Erden. Der Torfabbau vernichtet nicht nur ganze Ökosysteme (Aktuell vornehmlich in Osteuropa und Russland), sondern ist auch einer der wichtigsten CO2 Speicher. Mit jedem Sack torfhaltiger Erden geben wir auch CO2 an die Umwelt ab und verschärfen somit die Problematik des nicht mehr bestreitbaren Klimawandels. Torf ist zwar ein sehr guter Wasser und Nährstoffspeicher, lässt sich aber ohne weiteres durch andere Materialien ersetzen die einen weitaus weniger problematischen Einfluss auf unsere Umwelt und damit die Zukunft der nachfolgenden Generationen hat. Übrigens sollten Sie auch beim Kauf von Bio-Erden auf deren torffreie Zusammenstellung achten, denn nicht jede Bio-Erde ist frei von diesem Material!



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