Gehölzschnitt

Wann sollte man Bäume schneiden?

Auch in dieser Saison ist es wieder eine sehr häufige Frage: Wann soll ich meine Obstbäu

019_15ame zurückschneiden lassen, schon im Herbst oder erst im Frühjahr?

Grundsätzlich ist die kalte Jahreszeit ideal um Schnittmaßnahmen im Garten vorzunehmen. Einmal ermöglichen die von Blattwerk befreiten Äste einen freien Blick auf das Astwerk des Baums. Und zum Anderen steckt der Baum während der kalten Tage in einer Winterruhe, was sich vor allem auch durch die geringe Saftzirkulation im inneren der Pflanze wiederspiegelt: der Baum blutet weniger stark. Da jedoch die Schnittfläche am Baum ein ungeschützter Bereich ist (auch Baumharz ersetzt die fehlende Rinde nur unzureichend), sollte es vermieden werden, während frostreicher Perioden zu schneiden. Die Gefahr, dass Fröste tief über die offene Wunde in die Leitungsbahnen des Baums eindringen und große Teile des Gewebes zerstören – je nach Größe und Lage der Wunde bis zum Totalausfall der Pflanze – ist bei Schnittmaßnahmen unterhalb des Gefrierpunktes sehr groß.

Ein Rückschnitt im Herbst dagegen lässt sich mitunter ohne Probleme durchführen, soweit der Baum genug Zeit bekommt die Wunde zu verschließen ehe die Temperaturen in den Minusbereich absinken. Nur sollte dann auch der richtige Zeitpunkt abgewartet werden, da ein Baum, der aufgrund warmer Herbsttage noch Blattwerk trägt, wesentlich anfälliger für Schnittmaßnahmen ist, als ein Baum, der bereits alle Blätter abgeworfen hat. Auch besteht bei jüngerem Astwerk die Gefahr, dass winterliche Fröste einen Teil der Triebe und Knospen zerstören. Stehen dann nicht ausreichend alternative Jungtriebe zur Verfügung, weil diese bereits im Herbst entfernt wurden, wird dies sicherlich negative Auswirkungen auf den Ertrag der Pflanze im neuen Jahr haben.

Ideal wäre daher ein Rückschnitt der Bäume kurz vor dem Neuaustrieb im späten Winter/zeitigen Frühjahr. Es lässt sich dann nicht nur sehr leicht feststellen welche Triebe im Winter abgestorben sind, sondern es verbessert auch den Heilungsprozess im Bereich der Schnittwunde, da dieser durch den täglich stärker werdenden Saftstrom im Frühjahr, gefördert wird.

Doch Vorsicht, nicht jeder Baum sollte während der kalten Jahreszeit beschnitten werden. 

Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Kirschbaum (Prunus avium). Als bekannter Frühblüher wäre es für ihn fatal, wenn sein Schnitt im Frühjahr vorgenommen würde. Nicht nur, dass man dabei bereits angelegte Knospen mit entfernt, es würde den Baum kurz vor dem Beginn der Blüte auch nur unnötig schwächen, was folglich mit Ernteeinbussen verbunden ist. In der Regel wird man daher den Schnitt an Kirschbäumen direkt nach der Ernte (oder alternativ bei reinen Zierkirschen nach der Blüte) vornehmen. Dies gilt im Grunde genommen für alle Pflanzen der Prunus-Famile (Steinobst) wie z.B. auch die Pflaume und den Pfirsich.

Eine weitere Besonderheit stellen stark blutenden Bäume, wie z.B. Birken (Betula) und Ahorne (Acer) aber auch hier wieder die bereits erwähnte Kirsche (Prunus) dar. Ein Schnitt dieser Bäume im Frühjahr kurz vor dem Neuaustrieb, ist aufgrund der Gefahr des Ausblutens alles andere als sinnvoll. Ein idealer Zeitpunkt ist für diese Pflanzen (mit Ausnahme der Kirsche) daher der Spätherbst, da hier die Saftströme in den Leiterbahnen des Baumes am schwächsten sind.

Zusammenfassend darf also gesagt werden, dass sicherlich die Winterzeit – alleine schon aus arbeitstechnischen Gründen – den ideale Zeitpunkt für Baumpflegemaßnahmen darstellt. Jedoch sollte auf die individuellen Bedürfnisse der Pflanze Rücksicht genommen werden, wodurch eine pauschale Aussage zum richtigen Schnittzeitraum nicht abgegeben werden kann. Egal ob Zier- oder Obstgehölz, sinnvoll ist es, sich für seinen Garten einen individuellen Schnittkalender anzulegen, der die Bedürfnisse jedes einzelnen Gehölz berücksichtigt. Auf diese Weise wird man nicht nur den Pflanzenansprüchen gerecht, sondern behält auch einen Überblick über die anstehenden Arbeiten im Jahresverlauf.

Ein abschließender Tipp für alle ambitionierten Gartenbesitzer: Nicht für jeden Standort sind die idealen Schnittzeitpunkte gleich, ein wachsames Auge und ein richtiges Zeitgefühl sind daher noch immer die besten Indikatoren für eine erfolgreiche Pflanzenpflege. Sollten sie jedoch die Absicht haben auf eine professionelle Baum- und Gartenpflege zurückgreifen zu wollen, ist es von Vorteil, wenn Sie sich frühzeitig mit dem ausführenden Betrieb in Verbindung setzen, um mit ihm gemeinsam den richtigen Arbeitsablauf und die optimale Zeitplanung festzulegen.

 

3 Kommentare

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    • Hallo! In der Regel wird der Winter als Schnittzeit angegeben, da Gehölze zu dieser Zeit den geringsten Safttrieb haben und somit wenig Störung in der Vegetation entstehen. Formschnitte lassen sich aber auch schon im Herbst vornehmen, wobei man dann in zwei Schritten vorgehen sollte: einen groben Schnitt zum Herbst an dem das extrem ausartende Material zurückgenommen wird. Und ein Feinschnitt, bei dem die Pflanze auf Ihren gewünschten Wuchs ausgerichtet wird.
      Natürlich geht auch ein einmaliger Radikalschnitt zum Herbst. Man läuft dann allerdings Gefahr, das die Pflanze im darauffolgenden Jahr länger braucht um neu auszutreiben und einen ordentlichen Wuchs zu entwickeln.

      Wenn Sie sich dazu entschließen im Oktober zu schneiden, dann tuen Sie das am besten an einem bedeckten aber niederschlagsfreien Tag. Und achten Sie darauf, das wunden größer als eine Euromünze verschlossen werden, damit weder Fremdorganismen oder Pilze eine Chance erhalten sich einzunisten.

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